Was misst die Eigenkapitalrentabilität?
ROE, Return on Equity, setzt den den Eigentümern zuzurechnenden Gewinn ins Verhältnis zum dafür eingesetzten bilanziellen Eigenkapital. Die Kennzahl ist keine Aktienkursrendite. Eigenkapital stammt aus der Bilanz; die Marktkapitalisierung ergibt sich dagegen aus dem aktuell gezahlten Aktienpreis.
Zähler und Nenner müssen denselben Eigentümerkreis betreffen. Für die Rendite der Stammaktionäre wird das ihnen verfügbare Ergebnis nach Vorzugsdividenden mit dem entsprechenden Eigenkapital verglichen. Ein Konzernergebnis einschließlich Minderheitsanteilen passt nicht zu einem Nenner, der nur das Eigenkapital der Muttergesellschaft umfasst.
ROE-Formel und durchschnittliches Eigenkapital
ROE = Jahresüberschuss ÷ durchschnittliches Eigenkapital × 100. Der Durchschnitt ist (Eigenkapital zu Beginn + Eigenkapital am Ende) ÷ 2. Die Bestände müssen den Ergebniszeitraum einschließen. Ein Einzelbestand ist eine vereinfachte Stichtagsbetrachtung und sollte in Vergleichen entsprechend bezeichnet werden.
Der Mittelwert aus zwei Stichtagen ist nicht zeitgewichtet. Eine große Kapitalerhöhung im Dezember beeinflusst den Endbestand, obwohl das Kapital fast das ganze Jahr noch nicht verfügbar war. Bei erheblichen Veränderungen sind Monatsdurchschnitte oft geeigneter. Einen separat berechneten Durchschnitt kannst du über die Einzelbestand-Methode eingeben.
Rechenbeispiel: 20 % Eigenkapitalrendite
Der Jahresüberschuss beträgt 1,5 Millionen. Das Eigenkapital liegt zu Jahresbeginn bei 7 und am Jahresende bei 8 Millionen. Der Mittelwert beträgt 7,5 Millionen. Daraus folgt ROE = 1,5 ÷ 7,5 × 100 = 20 %. Nur mit dem Endbestand gerechnet wären es 18,75 %.
Sinkt das durchschnittliche Eigenkapital im nächsten Jahr durch Ausschüttungen auf 6 Millionen, steigt der ROE bei gleichem Gewinn auf 25 %. Die Verbesserung des Quotienten stammt dann aus dem kleineren Nenner, nicht aus einem höheren operativen Ergebnis.
Verschuldung und Aktienrückkäufe richtig einordnen
Fremdfinanzierung kann den Eigenkapitalanteil an der Finanzierung der Vermögenswerte senken. Übersteigt deren Rendite die Finanzierungskosten nach Steuern, kann der Hebel den ROE erhöhen. Bei schlechterer Geschäftsentwicklung verstärkt derselbe Mechanismus jedoch die Belastung des Eigenkapitals. Zins- und Tilgungsverpflichtungen bleiben bestehen.
Ein Aktienrückkauf verringert in der Regel das bilanzielle Eigenkapital. Sinkt der Gewinn weniger stark als der Nenner, steigt der ROE auch ohne bessere Umsätze oder Margen. Ein kreditfinanzierter Rückkauf verbindet diesen Effekt mit zusätzlichem Finanzierungsrisiko. Prüfe deshalb die Eigenkapitalveränderung, bevor du einen höheren ROE als operative Verbesserung deutest.
ROE im Vergleich zu ROA und ROIC
ROA teilt hier den Jahresüberschuss durch die Bilanzsumme. ROE verwendet für gleich abgegrenzte Gewinne nur das Eigenkapital. Im vereinfachten DuPont-Schema ergibt sich ROE aus Nettomarge × Kapitalumschlag × Vermögen zu Eigenkapital. Die durchschnittlichen Bestände müssen dabei zueinander passen.
ROIC setzt ein operatives Ergebnis nach Steuern vor Finanzierungskosten ins Verhältnis zum durch Eigen- und Fremdkapital finanzierten investierten Kapital. Damit lassen sich operative Rendite und Finanzierungseinflüsse besser trennen.
Negatives Eigenkapital und weitere Grenzen
Ein Verlust bei positivem Eigenkapital führt zu einer negativen Eigenkapitalrendite. Negatives Eigenkapital ist ein anderer Fall: Verlust geteilt durch negatives Eigenkapital könnte rechnerisch eine positive Rendite vortäuschen. Der Rechner verlangt einen positiven Nenner und weist auf nicht positive Anfangs- oder Endbestände hin.
Sehr kleines Eigenkapital, Verlustvorträge, hohe Ausschüttungen und Wertminderungen können ungewöhnliche Quotienten erzeugen. Betrachte mehrere Jahre, Eigenkapitalbewegungen und die Qualität des Ergebnisses. Eine einheitliche Zielrendite für alle Branchen und Finanzierungsstrukturen gibt es nicht.
Häufige Fragen
Ist ein hoher ROE immer gut?
Nein. Er kann auf profitable Geschäfte, aber auch auf hohe Verschuldung, Rückkäufe oder eine sehr kleine Eigenkapitalbasis zurückgehen. Prüfe Gewinnentwicklung, Schulden, Ausschüttungen und Risiken gemeinsam.
Wird ROE mit Jahresüberschuss oder EBIT berechnet?
Hier mit dem Jahresüberschuss, weil Eigenkapitalgeber Zins- und Steuereffekte tragen. EBIT ist eine operative Größe für andere Renditekennzahlen. Mit EBIT statt Jahresüberschuss ändert sich die Definition.
Lässt sich ROE bei negativem Eigenkapital berechnen?
Ein Quotient ist mathematisch möglich, als herkömmliche Rendite aber meist irreführend. Bei einem Eigenkapitalnenner von null oder darunter zeigt dieser Rechner deshalb keinen Prozentwert.
Warum unterscheidet sich Eigenkapital vom Börsenwert?
Bilanzielles Eigenkapital ist die buchhalterische Differenz aus Vermögen und Schulden. Der Börsenwert entsteht aus den Marktpreisen der Aktien. ROE auf Buchwertbasis ist daher keine Gewinnrendite auf den aktuellen Aktienkurs.